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Fachtagung „Aus welchem Familienstrom komme ich?“

28. Juli 2018 @ 8:15 - 18:30

- 60€ – 100€

Nachkommen der Kriegsgeneration auf dem Weg nach einer sinnvollen Zukunft

Ob es uns passt oder nicht: Wir alle haben eine Familiengeschichte. Wir tragen dadurch verschiedenwertige Ein-Flüsse und Prägungen in uns, die wir von den (Ur-, Groß-) Eltern übernommen haben. Diese waren, mehr oder weniger, direkt oder indirekt, in das Grauen der NS-Zeit involviert. Spätnachwirkungen davon sind, wenn auch nicht mehr so intensiv, auch in vielen jungen Menschen noch da. Die Älteren spüren oftmals intensiver diese Nach­wirkungen in der Seele, in Form von Schuldgefühlen, depres­siven Stimmungen, Scham oder Orientierungsstörungen.

Wir bejahen mit Viktor Frankl, dass es möglich und sinnvoll ist, „Altlasten aller Art“, die uns hindern, in der Gegenwart und mit Blick auf die Zukunft zu leben, langsam hinter uns zu lassen. Zwar wird Leben rückwärts verstanden, – ja, – aber vorwärts gelebt. Der Rückblick auf den [harmonischen, we­niger harmonischen oder disharmonischen] Strom unserer Familiengeschichte, die immer auch Teil der deutschen und europäischen Geschichte ist, darf uns nicht daran hindern, den Vorausblick auf unsere nahe und fernere Zukunft wach zu halten. Wir als Einzelne, wie ganz Europa, brauchen eine Sinnvision für die Zukunft. Die Frage, aus welchem Familien­strom ich komme, soll mit einer konkreten Antwort ergänzt werden auf die Frage: Wohin will ich nun gehen? Was will ich mit meiner Lebenszeit anfangen? – In diesem Kontext bewegt sich unsere Fachtagung.

Referate und Seminare, sowie der Dialog mit den Teilneh­menden, wollen ermutigen und motivieren, nach dem Motto: „Was auch immer in meiner Vergangenheit, schuldhaft oder aus Verstrickungen heraus, geschehen ist, ab einem gewissen Zeitpunkt bin ich selbst für mein Leben verantwortlich.“ Oder: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Wie soll es mit mir, mit uns [in Deutschland und in Europa] wei­tergehen? Wir wollen mit der Fachtagung therapeutische Friedensarbeit, Versöhnung und ermutigende Sinnvisionen für die Zukunft anregen.

PROGRAMM

ab 8.15 Uhr | Ankommen, Anmeldung, Registrierung

9.00 Uhr | Eröffnung mit Musik und Grußworten (Berthold Goerdeler, Dr. phil. Otto Zsok)

9.30 – 10.30 Uhr | Erster Vortrag: Dr. phil. Otto Zsok | Leben wird rückwärts verstanden und vorwärts gelebt. Vergangene Gegenwart und gegenwärtige Vergangen­heit bei uns in Europa

Pause

11.00 – 12.30 Uhr | Zwei Seminare: Ingeborg Müller-Hohagen sowie Ditz Schroer

Mittagspause

13.30 – 14.30 Uhr | Zweiter Vortrag: M. Sc. Gregor Luks | Vom schwierigen Umgang mit dem Unfassbaren in der NS-Zeit. Drei Generationen von Juden und Nichtjuden im Vergleich

Pause

14.45 – 16.15 Uhr | Zwei Seminare: Berthold Goerdeler sowie Dr. Jürgen Müller-Hohagen und M. Sc. Gregor Luks

Pause

16.45 – 17.45 Uhr | Dritter Vortrag: Dr. Jürgen Müller-Hohagen | Das 20. Jahrhundert im Nacken: Familienstrom als Rückhalt oder Hinterhalt?

18 – 19 Uhr | Aus welchem Familienstrom komme ich?

 

ZIELGRUPPE

Jüngere und ältere Menschen, die sich vom Thema angesprochen fühlen. Personen in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Berufen (Pflege- und Seniorenarbeit, Hospiz- und Trauerbegleiter, Psychotherapeuten, Pädagoginnen, Psychiater).

VORTRÄGE

Dr. phil. Otto Zsok – Leben wird rückwärts verstanden und vorwärts gelebt. Vergangene Gegenwart und gegenwärtige Vergangenheit bei uns in Europa In Anlehnung an Sören Kierkegaard und Luise Reddemann will dieser Vortrag darlegen, was und wie zu bewältigen ist, wenn wir die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert auf uns wirken lassen. Entlang von drei „Stichworten“ soll die hohe Bedeutung der Verantwortung für unsere gegenwärtige Situation in Europa sowie für eine notwendige Sinnvision unserem Bewusstsein fühlbar gemacht werden.

M. Sc. Gregor Luks – Vom schwierigen Umgang mit dem Unfassbaren in der NS-Zeit. Drei Generationen von Juden und Nichtjuden im Vergleich Ausgehend von den vier dynamischen Begriffen „Schuld und Schuldgefühle“, „Trauma“, „Generation“ und „Ambivalenz“, möchte der Vortrag die psychischen Nachwirkungen der NS-Zeit bei drei Generationen von Juden und Nichtjuden in Deutschland nach 1945 beleuchten. Wie haben sich die traumatischen Erlebnisse des Holocaust und des Krieges auf Seiten der Opfer, Täter und Zeugen auf die spätere Lebens­phase nach 1945 ausgewirkt? Welche psychischen Folgen hatten die kriegsbedingte Verrohung, der Verlust von Ange­hörigen und die Vertreibung aus den Ostgebieten bei den nichtjüdischen Deutschen? Welche Themen, Ängste und/oder Traumata haben sich auf die „zweite und dritte Generation“ übertragen (transgenerationale Traumatransmission)?

Dr. Jürgen Müller-Hohagen – Das 20. Jahrhundert im Nacken: Familienstrom als Rückhalt oder Hinterhalt?Die Herkunftsfamilie ist die Grundlage unseres Lebens. Ihr verdanken wir unsere Existenz sowie unendlich viele Bau­steine für das, was uns heute ausmacht. Wie eng war dabei das Hilfreiche ins Schädliche verwickelt? Familienstrom als Rückhalt oder Hinterhalt? Diese Frage verschärft sich noch, wenn wir die seelischen Langzeitwirkungen der menschen­gemachten Katastrophen des 20. Jahrhunderts betrachten. Der Vortragende hatte, basierend auf der psychothera­peutischen Arbeit, intensiven Anteil an dieser veränderten Sicht. Zugleich soll aber nicht übersehen werden, wie viel an lebensfreundlichen Einflüssen trotz solcher schlimmen Hintergründe im Strom von Familien transportiert wurde und wird. Auch das gilt es näher zu beleuchten. Hier wird es besonders um Solidarität gehen.

SEMINARE

Ingeborg Müller-Hohagen – Trauma im Lebensstrom erkennen und bearbeiten Die Ausgangsfrage dieses Workshops lautet: Wie lassen sich Wirkungen von erlittenen Traumatisierungen im weiteren Lebensstrom überhaupt als solche erkennen? Wie kann man im privaten Bereich oder in der Schule oder im Be­rufsfeld auf entsprechende Vermutungen kommen? Das ist nämlich komplizierter, als heute oft gedacht wird. Nicht jedes schlimme Ereignis der Vergangenheit musste zu einem bleibenden Trauma führen. Vielmehr waren dafür die damals vorhandenen Verarbeitungsmöglichkeiten entschei­dend. Reichten diese nicht aus, so wurde mit einer Art von Notfallprogramm reagiert. Zu diesem gehörte dann zentral, dass weite Teile des damals Erfahrenen in der Folgezeit aus­geblendet wurden. Umso wirksamer aber können sie gerade dadurch sein. Wie lässt sich dann jedoch darauf kommen, dass Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten der Gegenwart mit traumatischen Hintergründen zu tun haben können? Wie können wir da im guten Sinne aufmerksam werden? Im Seminar soll dies, ausgehend von eigenen Erfahrungen der Leiterin, gemeinsam erarbeitet werden, um im nächsten Schritt Wege zu beschreiben, wie mit den Folgen von Trau­matisierungen, dabei gerade auch mit dem oft verringerten Grundvertrauen in die Welt, besser umzugehen ist und wie wichtig dabei die Beziehungen zu anderen Menschen sind.

Ditz Schroer – Sinnorientierte Biographiearbeit im Familienstrom„Das habe ich erlebt, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht erlebt haben, sagt mein Körper und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach und mein Geist fragt nach dem Sinn“ (frei nach Friedrich Nietzsche). Wir, die Kinder und Enkelkinder der Kriegsgenerationen, suchen nach neuen Antworten, um uns der Verantwortung vor der Geschichte und für die Zukunft zu stellen. Wir suchen nach mehr Seelenfrieden und nach Sinnperspektiven. Die eigene Identität finden und „Ja“ zu sich selbst sagen – mit allem, was die eigene Geschichte mit sich bringt. Vergangen­heit, Gegenwart und Zukunft sinnstiftend verbinden zu dem, was das „Ich“ ausmacht. An der eigenen Biographie wachsen und daraus lernen.

Berthold Goerdeler – Widerstand und Ergebung Dieses Motto, dieser Zwiespalt stand in aller Schärfe in der NS-Zeit im Alltag jedes Menschen. Er ist auch gegenwärtig in jeder Diktatur. Wie haben Familien darauf reagiert? Welche praktischen und seelischen Konflikte stellen sich unaus­weichlich ein? Auch in der zweiten und dritten Generation ergeben sich dabei grundlegende Probleme im Zusammen­leben von Familienmitgliedern. Schicht auf Schicht muss die Geschichte aufgearbeitet werden, wenn gutes Zusammen­leben, gar Gemeinsamkeit gelingen soll.

Dr. Jürgen Müller-Hohagen und M. Sc. Gregor Luks – Identitätsentwicklung innerhalb des Stroms von Familie u. Gesellschaft – Generationen im Gespräch Ziel des Workshops ist es, Angehörige verschiedener Gene­rationen ins Gespräch kommen zu lassen. Die beiden Leiter, Jahrgang 1946 und 1983, werden dies beginnen anhand ei­gener Lebenserfahrungen, die sie berichten und wechselsei­tig befragen. Wie haben diese ihre Identitätsentwicklung be­einflusst? Anschließend sind alle Teilnehmenden eingeladen, sich zu den folgenden und weiteren Fragen miteinander auszutauschen: Wie haben sich für die unterschiedlichen Generationen Zusammenhänge zwischen der individuellen, der familiären und der gesellschaftlichen Dimension gestal­tet? Was war jeweils besonders prägend? Wie können wir uns von den verschiedenen Generationen her auf unseren gegenwärtigen Wegen unterstützen? Was sind aktuell unsere offenen Fragen? Und wie erleben wir den intergenerationel­len Dialog heutzutage?

REFERENTEN

Ingeborg Müller-Hohagen, Jg. 1938, Rektorin i.R., Dozentin der Montessori Bildungsakademie München und Lehr­beauftragte für Montessori-Pädagogik an den Universitäten LMU München, Augs­burg und Passau. Bundesverdienstkreuz. Zusammen mit Dr. Jürgen Müller-Hohagen Bücher über Montessori-Pädagogik sowie über „Wagnis Solidarität“ (2015).

Berthold Goerdeler, Jg. 1947, ist Rechtsanwalt und Steuerberater. Er war über 20 Jahre Partner der KPMG. Uni­versitätsstudien in Jura, Volkswirtschaft und Musik. In Logotherapie ausgebildet am Süddeutschen Institut in Fürsten­feldbruck. Enkelsohn von Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945), der als ein führender Kopf des zivilen Widerstandes in der NS-Zeit am 02. Februar 1945 hingerichtet wurde.

Sc. Luks, Gregor, Jhrg. 1983, ist Psychologe und Doktorand am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Autor und Herausgeber von mehreren Büchern.

Ditz Schroer, Dipl.-Ing., Jg. 1951, ist Logotherapeut, Absolvent des Kontakt-studiums Biographiearbeit an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Coach und Lebensbegleiter von Jugendlichen, Hospiz- und Trauer-begleiter.

Dr. Otto Zsok, Jg. 1957, ist Direktor des Süddeutschen Instituts für Logotherapie & Existenzanalyse in Fürstenfeldbruck und dort auch Dozent und Logotherapeut®/DGLE. Autor von über 30 Büchern.

 

AUSSTELLUNG

Carl Goerdeler – sein Leben, seine Welt, sein Widerstand (1884–1945). Die Stiftung Logos und Ethos, München, stellt die Ausstellung zur Verfügung.

ANMELDUNG

Verbindliche Anmeldung via nebenstehendes Formular bis 20. Juli 2018 per Post, Fax oder E-Mail.

TEILNAHMEGEBÜHR

Teilnahmegebühr bis 16. Juli 2018: 90 € | 60 € für Studierende und Personen mit niedrigem Einkommen
Teilnahmegebühr ab 17. Juli 2018: 100 € | 70 € ermäßigt
Im Preis ist ein kleiner Mittagsimbiss eingeschlossen.

Details

Datum:
28. Juli 2018
Zeit:
8:15 - 18:30
Eintritt:
60€ – 100€

Veranstalter

Süddeutsches Institut für Logotherapie & Existenzanalyse
Telefon:
+49 8141 180 41
E-Mail:
si@logotherapie.de
Webseite:
www.logotherapie.de

Veranstaltungsort

Pfarrei St. Joseph
Josephplatz 1
München-Schwabing, Bayern 80789
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Details

Datum:
28. Juli 2018
Zeit:
8:15 - 18:30
Eintritt:
60€ – 100€

Veranstalter

Süddeutsches Institut für Logotherapie & Existenzanalyse
Telefon:
+49 8141 180 41
E-Mail:
si@logotherapie.de
Webseite:
www.logotherapie.de

Veranstaltungsort

Pfarrei St. Joseph
Josephplatz 1
München-Schwabing, Bayern 80789
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