3 Tage im März

Am 18., 19. und 20. März 2016 fand in der Evangelischen Akademie Loccum bei Hannover die sechste Tagung des Kriegsenkel e.V. statt. Zum Thema „Kriegsenkel im Aufbruch – Gestalter einer neuen gesellschaftlichen Identität“ tauschten sich Mitglieder und interessierte Gäste zu drei Fragen aus:

  • Auf welchen Wegen können Erinnerung und Gedenken die gesellschaftliche Identität in Deutschland stärken?
  • Worin bestehen die Herausforderungen, aber auch die Entwicklungschancen für Deutschland in der aktuellen Krise?
  • Woran können wir erkennen, ob unsere Gesellschaft dabei Fortschritte mit sich macht?

Die Hauptreferenten Dr. Ina Schmidt aus Reinbek, Dr. Stefan Bergheim aus Frankfurt und Dr. Jens Heisterkamp aus Niederursel steuerten dazu in ihren Vorträgen wichtige und anregende Impulse bei. Ein immer wiederkehrender Gedanke war dabei die notwendige Entwicklung einer offenen und lebendigen Dialogkultur in unserer Gesellschaft. Der Generation Kriegsenkel kommt dabei entscheidende Bedeutung zu, weil sie Prägungen der eigenen und kulturellen Identität im psycho-historischen Zusammenhang reflektieren kann und weil sie bereit ist, eigene Positionen im Gespräch mit den Anderen zur Disposition zu stellen. So kann Entwicklung und das notwendige Neue entstehen.

Die künstlerischen Beiträge auf dieser Tagung legten dafür ein beredtes Zeugnis ab:
Barbara Meisner aus Düsseldorf stellte die Installationen einer sehenswerten Ausstellung vor, die sie im vergangenen Herbst in Neuss zeigte. Daran abzulesen waren Eigenschaften des häuslichen Umfelds und des familiären Beziehunsgsgeflechtes, in dem sie als Kriegsenkelin aufwuchs. Die Pianistin Birgit Schulz führte zum ersten Mal ihr musikalisches und erzählerisches Programm mit dem Titel „Aus dem Nebel“ auf. Mit Mut und Leidenschaft nahm sie das Publikum entlang eines erzählten Märchens mit auf eine Reise vom kindlichen Seelenleben hin zu einer selbstbewussten Frau. Sebastian Heinzel, Filmemacher aus dem Schwarzwald, zeigte seinen Dokumentarfilm „Die Deutschen sind zurück“ (hier im Blog verlinken auf den Trailer) und führte in sein Projekt eines Kriegsenkel-Films mit dem Titel „Der Krieg in uns“ ein.

Auch Autobiografisches, Selbsterfahrung und Reflexion bekamen Raum auf der Tagung:
Eine eindrucksvolle Recherche zur eigenen Familiengeschichte stellte Poesie- und Bibliotherapeutin Heidrun Schatanek aus Friedberg vor: Sie entdeckte in Mähren einen Zweig der Familie, zu dem seit den Dreißigerjahren kein Kontakt mehr bestanden hatte und der von ihrem Großvater hartnäckig geleugnet wurde. Der Münsteraner Therapeut Ulrich Krömer bot eine Gesprächsgruppe an, die zu etwas wurde, was eine Teilnehmerin so beschrieb: eine kleine beeindruckende Ressourcentherapie. Dr. Iris Wangermann, Psychologin und Interkulturelle Trainerin, stellte ihre naturinitiatische Arbeit als einen Weg vor, sich den persönlichen Themen zu widmen und dabei die Kraft der Natur als Ressource zur Selbstreflexion und Ermutigung zu erfahren.

Darüber hinaus begegneten sich die TeilnehmerInnen vielfältig in den Pausen, beim gemeinsamen Essen und auf Spaziergängen in der schönen Umgebung der Loccumer Akademie.

Das Tagungshaus der Akademie Loccum und seine freundlichen Mitarbeiterinnen boten für unsere Tagung einen in jeder Weise geeigneten und wohltuenden Rahmen, in dem sich Gespräch und Begegnung gut entfalten konnten. „Kriegsenkel im Aufbruch“ – das Potential wurde an diesem Wochenende greifbar und wartet nun auf seine weitere Entfaltung.